Finanzmafia: Wieso Banker und Banditen ohne Strafe davonkommen
Montag, den 27. Juni 2011

Bereits vor einigen Monaten erschien im Westend-Verlag das Sachbuch "Finanzmafia: Wieso Banker und Banditen ohne Strafe davonkommen". Zwischenzeitlich sind die ersten Rezensionen veröffentlicht worden, die dem Autor eine "brillante Analyse" (Süddeutsche Zeitung) attestieren oder das Buch gleich zur "Pflichtlektüre" (3sat bookmark) erklären. Der Inhaltsangabe kann man entnehmen, dass sich der Autor Wolfgang Hetzer, der seit 2002 die Abteilung "Intelligence: Strategic Assessment & Analysis" im Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) in Brüssel leitet, sehr intensiv mit den Ursachen der Finanzkrise auseinandergesetzt hat.
Eine Leseprobe wird vom Verlag zur Verfügung gestellt, allerdings enthält diese nur das Vorwort. Einen Eindruck vom Stil des Autors kann man hierbei nicht gewinnen. Allerdings steht auch das Inhaltsverzeichnis zur Verfügung, sodass man zumindest grob abschätzen kann, ob sich der Kauf des Sachbuchs im Einzelfall tatsächlich lohnt.
Die heimlichen Herrscher und ihre politische Handlanger
Sollen die steuerzahlenden Bürger tatsächlich die einzigen sein, die für die Finanzkrise zur Kasse gebeten werden? Wolfgang Hetzer untersucht, ab wann die Konstruktion undurchschaubarer Finanzprodukte kriminell ist, und zeigt die fließenden Übergänge von professionellem zu wirtschaftskriminellem Handeln. Vor allem aber fragt er, wie die Akteure strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden können.
Die Finanzkrise ist kein Ergebnis einer Naturkatastrophe, wie uns häufig vorgegaukelt wird. Außerdem unterstellt der Begriff „Krise“, dass es sich um ein vorübergehendes Ereignis handelt, das durch Krisenmanagement beherrschbar ist. So wird davon abgelenkt, dass Organisationen, Institutionen, Einzelpersonen und Gruppen – als übliche Bankengeschäfte getarnt – hemmungslos ihre eigenen Interessen verfolgt haben. Mit krimineller Energie haben sie große Mengen Geld bewegt und in Netzwerken, die der Organisierten Kriminalität vergleichbar sind, dubiose Geschäfte getätigt. Doch die strafrechtliche Aufarbeitung des Geschehens hat bisher nicht stattgefunden. Wolfgang Hetzer fragt nach den Gründen und untersucht, welche Straftatbestände greifen könnten. Für ihn ist es höchste Zeit, dass das traditionell gegen die „Unterschicht“ eingesetzte Strafrecht auch endlich gegen die „Oberschicht“ angewendet wird.
Autor: Wolfgang Hetzer | Verlag: Westend | ISBN: 978-3938060704
Erschienen: 02/2011 | Seitenzahl: 336 | Preis: 19,95 €
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